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Bahngleise / Foto: Allsvartur.de

Andere Wege (Gedanken)

Seit November oder zumindest spätestens seit Dezember (2017) ist es auf meiner Facebook-Fanpage und auf meiner Webseite stiller geworden.

Neue Updates mit Bildmaterial sind rar und auch die Bewerbungen und einige Anfragen (auch kommerzieller Art) der letzten Zeit warten bisher vergebens auf eine Antwort. Selbst in meinem Facebook-Profil schwindet aktuell die Zahl der Freunde, weil verständlicherweise immer wieder mal Bewerberinnen einfach nicht länger warten wollen, bis sie mal die Gelegenheit für ein Shooting haben. Andere Bewerberinnen oder auch bereits von mir fotografierte Models arbeiten mit anderen Fotografen – was teilweise bessere und teilweise schlechtere Ergebnisse bringt und von mir mir einer Gelassenheit zur Kenntnis genommen wird, über die ich mich noch vor wenigen Monaten gewundert hätte.

Seitdem ich unter dem Namen „Allsvartur.de“ öffentlich fotografiere kannte ich immer nur eine Marschrichtung: noch bekannter, noch mehr Zugriffe, noch mehr Bewerbungen, noch mehr Models… immer weiter ging die Kurve nach oben. Und ja, es war ein wirklich gutes Gefühl! Ein solcher Erfolg schmeckt verlockend süß, selbst wenn es kein Erfolg ist, der sich in barer Münze bezahlt machte, da ich nach wie vor der Versuchung widerstehe Allsvartur.de gewerblich bzw. zur Gewinnerzielung zu betreiben.

Doch dann kamen mir ab ungefähr Mitte des letzten Jahres aber erste gedankliche Fragen in den Kopf, ob ich auf Dauer damit glücklich bleiben werde, mit dem, was ich mit meiner Kamera so mache. Irgendwie ist es für mich schwer das zu erklären oder in Worte zu fassen. Ich versuch es mal so: für meine Models ist jedes Shooting etwas Besonderes. Dies gilt natürlich insbesondere für meine neuen Models, die ihr allererstes Shooting mit mir hatten, und ich freue mich darüber, dass ich auf diese Weise vielen Models ein unvergessliches Erlebnis schenken konnte, an dessen Ergebnissen sie ein Leben lang ihre Freunde haben werden. Für mich selbst jedoch ist ein Shooting mit einem neuen Model nicht wirklich etwas Neues… sicher, die Gesichter, die Haare und die Moden ändern sich… aber im Endeffekt bleiben die Themen doch mehr oder weniger gleich und ebenso verhält es sich mit den immer gleichen Erwartungen der Models, die gerne schöne Bilder von sich hätten, welche sie als junge und hübsche Frau zeigen. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, ich hoffe aber, dass ihr versteht, dass es für mich inzwischen einen sehr hartnäckig festsitzenden Gewöhnungseffekt hat und der Anreiz für ein Shooting dadurch von Mal zu Mal zu schwinden begann – insbesondere als es so viele Bewerberinnen und Termine wurden.

Ich weiß nicht mehr genau, bei welchen Gelegenheiten mir im letzten Jahr zuerst solche Gedanken kamen. Ich erinnere mich aber an zwei Momente ziemlich genau, denn beides waren Fotoshootings, die ein wenig anders waren… nicht viel anders, aber ein wenig… eben anders genug, um mir einen gedanklichen Ruck zu geben. So richtig ins Nachdenken kam ich dann gegen Ende des Jahres, als ich gefragt wurde, welches Bild aus 2017 mein Lieblingsbild sei. Ich habe wirklich lange und sorgfältig über meine Antwort nachgedacht, denn ich wollte eine authentische Antwort geben und wollte mich nicht davon beeinflussen lassen welches Model mir vielleicht besonders sympathisch ist oder welcher Termin besser angenehmer verlief. Ich habe Stunden zugebracht mir mein Schaffen in den letzten 12 Monaten anzuschauen und mein Lieblingsbild 2017 war dann ausgerechnet ein Foto, das ich zuvor noch gar nicht veröffentlicht hatte.

Das ist doch seltsam, findet ihr nicht auch?

Mein Lieblingsfoto 2017 (Model: Milla_1z)

Mein Lieblingsfoto 2017 (Model: Milla_1z)

Dieses Foto gefällt mir einfach wegen seines Ausdrucks, der Wildheit, der Bildsprache und … ja … und weil es eben keines der „üblichen“ hübsches Mädchen in netter Pose Aufnahme ist. Dabei ist es weder „besser“ noch „schlechter“ als alle anderen Bilder, die ich im Laufe des Jahres zeigte… es hat eben nur einen besonderen Ausdruck, den ich so eben nicht allzu häufig in meinen Bildern finde… und eine ähnliche Erfahrung machte ich auch in den monochromen Fotos im Sommer mit den hellen Kleidern im Gegenlicht.

Für mich war das ein klarer Hinweis darauf, dass ich mich in meinen Bildern mehr auf die Suche danach begeben sollte, was ein Bild stark und ausdrucksvoll macht und nicht „nur“ danach, was ein Foto hübsch macht. Ich muss mich wohl verändern, damit ich in Zukunft wieder den Spaß an der Fotografie haben kann, den ich zuletzt nur mit etwas Abstand wahrgenommen habe. Ich fühle mich in einer Spur eingefahren. Vielleicht brauche ich neue Gedanken, neue Muster, neue Sichtweisen. Ich weiß nicht, ob man das „Zweifel“ nennen kann oder vielleicht eher „innere Unzufriedenheit“ oder vielleicht ganz platt nur „fotografisches burn-out“… aber es war für mich erstmal Grund genug die Kamera möglichst liegen zu lassen und mich erstmal mit mir selbst und dem Gedanken, was ich in einer Fotografie eigentlich zeigen will, zu beschäftigen.

Hinzu kamen noch andere Entwicklungen. Ein paar nervende und hartnäckige gesundheitliche Wehweh’chen plagen mich in letzter Zeit mehr als üblich. Seit circa Ende November hatte ich seelisch eine etwas gedämpfte Phase. Ursache unbekannt, denn es gab neben dem üblichen Up und Down des Lebens nichts besonderes, was ich damit in Verbindung bringen könnte. Ich kann nur sagen, dass ich mich eben oftmals ohne erkennbaren Grund bedrückt fühlte. Ich bin zum Beispiel gerne alleine und genieße die Einsamkeit dann auch. Das sind auch die Phasen, in denen ich gute Ideen habe… aber genau das fiel mir zuletzt doch ziemlich schwer, während ich das Gefühl des Alleinseins oft vermisste und den Eindruck hatte, zu wenig eigenen Raum zu haben. Ein paar ganz wenige Shootings habe ich dennoch absolviert, aber selbst dabei hatte ich gemerkt, dass „ich“ manchmal irgendwie nicht 100% da war und auch im Januar hatte ich nicht das Gefühl mich bei Shootings so auszuleben, wie ich das früher getan habe. Dazu kam ein zunehmender beruflicher Druck, den ich mir auch größtenteils selbst machte, weil ich eben immer das Gefühl haben muss, dass ich mein Bestes gebe und ich es gar nicht leiden kann, wenn ich mir selbst eingestehen muss, dass ich hätte mehr tun können. So hab ich allein im Januar ca. 25 Überstunden geleistet (ohne Wochenenden) und manchmal außer Essen, Schlafen, Haushalt und Arbeiten nicht viel sonst gemacht. Kurz gesagt: es fällt mir zur Zeit sehr schwer durchzuatmen. Selbst jetzt (da ich Urlaub habe) werde ich das Gefühl der inneren Unruhe nicht wirklich los.

So seltsam es sich anhört, aber genau in dieser Phase merke ich dann, dass mir manche Aufnahmen (die ich früher aussortiert hätte) mehr Inhalt wiedergeben als so manches Bild, das ich früher für besser gelungen gehalten hätte. Sollte es bei der Fotografie nicht genau darum gehen: Bildern eine Aussage zu verpassen, dass sie etwas rühren oder zumindest ein paar Sekunden im Gedächtnis bleiben? Ich weiß es nicht. „Die“ Fotografie gibt es ohnehin nicht, denn die Wege sind so unterschiedlich, wie es die Menschen sind, die eine Kamera in die Hand nehmen.

Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass es mich fotografisch zu einer wesentlichen Veränderung drängt. Ich brauche das, damit ich wieder den Spaß an der Fotografie empfinde, der mir langsam abhanden zu kommen droht. Wenn ich nur wüsste wie oder wohin es mich dabei zieht oder was ich damit anfangen soll, wäre die Sache einfacher. Allein nur die Kamera möglichst ruhen zu lassen hat die letzten zwei Monate jedenfalls nicht besonders geholfen. Wie ich bereits geschrieben habe: „Vielleicht brauche ich neue Gedanken, neue Muster, neue Sichtweisen.“ Was die kreative Sichtweise betrifft, habe ich zur Zeit aber eher das Gefühl den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und das ist ziemlich unbefriedigend.

Zudem stelle ich mir die Frage, wie dieser eigene Anspruch verwirklicht werden soll, wenn ich mit immer neuen Bewerberinnen arbeite. Diese möchten doch zuerst und vor allem schöne/hübsche Bilder von sich und zwar in der Art, wie ich sie in den letzten Jahren immer geliefert habe. Wie kann das zusammenpassen: die Notwendigkeit eines Richtungswechsels (die ich empfinde) und die Erwartungen meiner Bewerberinnen? Diese Frage beschäftigt mich zur Zeit ziemlich und ich befinde mich dabei noch nicht einmal in der Nähe einer schlüssigen Antwort… aber wenn ich eine Antwort darauf finde, seid ihr es, die zuerst davon erfahren werden.

Vielleicht hat mein langjähriger Mentor dies auch schon kommen sehen… ich werde ihn das mal fragen müssen. Immerhin ist er ein extrem erfahrener Fotograf, der viel mehr in seinem Wissens- und Erfahrungsschatz hat als „nur“ wie man mit einer Kamera richtig umgeht. Er hat mir nämlich schon Anfang des letzten Jahres Anregungen für neue Aufgaben gegeben, die ich im Rahmen eines längeren Projektes mal versuchsweise angehen wollte. Leider wurde ich von der Projektpartnerin trotz längerem und gewissenhaften Auswahlverfahrens dann doch recht platt sitzen gelassen. Aber einige seiner Anregungen gehen doch erkennbar in die Richtung, in die es mich zur Zeit treibt.

Ich denke, ich werde erst einmal die Homepage mit einem neuen Design versehen. Das ist zwar nur ein Rahmen um das eigentliche Schaffen herum, aber so wie man auf Reisen (oder allgemein gesagt bei jedem Tapetenwechsel) auf neue Gedanken kommt, hilft mir das vielleicht etwas mich aus den bisherigen Strukturen zu lösen. Ich fange auch wieder an mich auf anderen Webseiten zu bewegen, auf denen andere Fotografen ihre Bilder ausstellen. Normalerweise meide ich solche Seiten und sowieso meide ich den Kontakt zu anderen Fotografen, aber vielleicht bringt mich das auch auf andere Gedanken. Schaden kann es jedenfalls nicht…. und wenn ich in der allernächsten Zeit shooten sollte, dann eher experimentelle Sachen und keine Sachen auf sicherem Terrain (also mit Themen und Motiven, wo ich schon zu 99,9% weiß, was am Ende stehen wird).

Nun, was soll der ganze Seelenstriptease?

Er soll euch (sofern ihr euch bis hierher damit beschäftigt habt) zumindest versuchsweise erklären, wieso es im Moment etwas still um Allsvartur.de ist und dass es auf jeden Fall weiter geht… nur wie und wohin, da bin ich mir nicht ganz sicher.

Liebe Grüße von eurem,
Oliver von Allsvartur.de