Arbeitszeit und Preise

Ich habe mir heute mal die Mühe gemacht, bei einigen gewerblichen Fotografen (mit und ohne Atelier/Studio) in die Preislisten einzusehen und versuchte dabei diese Preise auf das anzuwenden, was wir in einem „durchschnittlichen“ Shooting bieten. Das ist nicht ganz so einfach, weil die Abrechnungsmodelle meist völlig unterschiedlich sind, aber ich habe mich eben an den Angeboten orientiert, die sich für einen solchen Vergleich eigenen und anhand der angegebenen Preise einen Durschnitt errechnet.

Nehmen wir als Vergleich mal ein „übliches“ Newcomer-Shooting outdoor am Wochenende:
Gewöhnlich dauert bei uns ein Shooting so um die zwei bis drei Stunden. Am Ende kommen meist so zwischen 5-15 bearbeitete Bilder raus (das hängt neben dem Model auch von vielen anderen Faktoren ab) und insgesamt sind ca. 150-300 Bilder entstanden, die das Model natürlich ebenfalls auf CD/DVD oder als Download erhält. Im Normalfall bekommt das Model dann alle von mir bearbeiteten Bilder in einer großen (ca. 20x30cm) und einer kleinen (ca. 10x15cm) Fotoentwicklung aus einem sehr guten Fotolabor spendiert und nach Hause geschickt.
Der Preis für dieses „Komplettpaket“ bei uns beträgt: Euro 0,00… denn wir shooten kostenlos.

Nun rechne ich mal die von mir ermittelten Durchschnittspreise bei beruflichen Fotografen dagegen:
2 Stunden Shooting…. ca. Euro 150,-
Wochenend-Zulage…. ca. Euro 50,-
Fotoentwicklung groß 5 Bilder… ca. Euro 100,-  (bei ca. Euro 20,- pro Foto)
Fotoentwicklung klein 5 Bilder… ca. Euro 60,- (bei ca. Euro 12,- pro Foto)
Hier mache ich einen Absatz und überschlage die bisherigen Beträge auf schon über Euro 300,-.

Hinzu kommen bei vielen Fotografen noch teilweise sehr saftige Gebühren für die Aushändigung der digitalen Bilder (also der Bild-Dateien). Da die Gebührenstruktur hierfür aber extrem unterschiedlich war, konnte ich dafür keine haltbaren Durchschnittspreise annehmen. Die saftigen Preise dafür die Dateien sind aber nachvollziehbar, denn immerhin kann der Kunde dann zukünftige Entwicklungen dieser Fotos selbst und wesentlich günstiger vornehmen, ohne dass der Fotograf dabei noch etwas verdient.

Warum mache ich nun diesen Vergleich? Um die kommerziellen Fotografen zu brandmarken oder uns besser darstellen? Nein, das ist nicht mein Anliegen. Um dies zu unterstreichen möchte ich daher erst einmal eine Lanze für die beruflichen Fotografen brechen: Ich selbst habe meine Fotografie von einem studierten Berufsfotografen erlernt, den ich heute nicht nur als meinen Lieblingsmentor sondern auch schon als meinen Freund bezeichnen würde. Berufsfotografen haben dieses Handwerk erlernt oder entsprechend ein Studium absolviert und haben deshalb einen „richtigen“ Abschluss und Titel (wie z.B. „Fotografenmeister“). Berufsfotografen verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Fotografie. Sie müssen sich und ihre Lieben davon ernähren, Löhne bezahlen, Ausbildungsplätze schaffen und die Kosten für ihre Studios und Ateliers decken in denen meist bessere und umfangreiche Ausrüstung steht. Hinzu kommt, dass bei der Fotografie vor einem Auftrag/Shooting meist immer ein relativ zeitintensiver Beratung- und Gesprächssaufwand nötig ist, der für den Berufsfotografen auch Arbeitszeit (= Kosten) bedeutet und auch das muss sich in den Preisen abbilden. Außerdem sollte man aufgrund der fachlichen Qualifikation grundsätzlich davon ausgehen bei einem ausgebildeten/studierten Berufsfotografen bessere Fotos zu bekommen als bei den allermeisten Hobbyfotografen. Es gibt also tausend (oder mehr) gute Gründe, wieso die Preise bei professionellen Berufsfotografen so sind wie sie sind.

Dem gegenüber stehen die Fotografen, die völlig kostenlos arbeiten, weil sie nicht von der Fotografie leben müssen, sondern diese aus reiner Passion heraus betreiben können oder es sich eben aus anderen Gründen leisten können kostenlose Shooting (wie wir) zu bieten. Zu diesen Fotografen gehöre auch ich, denn auf der gesamten Homepage findet sich keine einzige Preisangabe für unsere Dienstleistungen (abgesehen von „Euro 0,00“ oder „kostenlos“), sondern wir machen an jeder sich dafür bietenden Stelle darauf aufmerksam, dass unsere Shootings völlig kostenlos sind.

Nun, was soll dann nun dieser ganz Vergleich und diese lange Einleitung?
Worauf ich zu sprechen komme möchte, das ist die Haltung der Models und wie sie sich in diesen beiden Fällen unterscheiden sollte.

Wenn ihr zu einem kommerziellen Shooting geht, für das ihr bezahlt, dann seid ihr Kunde. Der Fotograf bekommt euer Geld und wenn ihr euch entscheidet nicht euren Möglichkeiten gemäß mitzuwirken oder z.B. den Termin nicht wahrzunehmen oder in der Nacht davor bis zum Morgengrauen durchzutanzen um dann wie ein Zombie auszusehen…. dann kann das einem Fotografen, der euch für seine Zeit eine Rechnung stellt, fast egal sein. Ihr seid Kunde – ihr bezahlt und damit ist die Sache klar.

Bei einem kostenlosen Shooting besteht dieser Druck für das Model kaum. Immerhin kostet es ja nichts… was macht es also, wenn man z.B. die Nacht durchfeiert und die Fotos eben deshalb Mist werden oder wenn man den Termin verbummelt oder nicht im abgesprochenen Outfit erscheint oder sich mit falschen Angaben bewirbt? Der Dumme ist in dem Fall nur der Fotograf, denn das Model hat ja kein finanzielles oder terminliches/zeitliches Risiko und somit ist die einzig negative Auswirkung für das Model, dass eben vielleicht keine Bilder gemacht werden…. aber damit kann man auch leben.

Ihr könnt euch vorstellen, dass mir eine solche Einstellung ziemlich auf die Nerven geht. Wenn ich merke dass

  • die Mitwirkung des Models fehlt
  • die Verlässlichkeit des Models zu wünschen übrig lässt
  • der Termin vergessen oder kurzfristig und fadenscheinig abgesagt wird
  • in der Bewerbung Shootingarten angekreuzt werden, die das Model dann doch nicht machen will
  • Accessoires und Unterlagen (z.B. Elternerlaubnis) vergessen werden
  • die Optik des Models nicht der Bewerbungsfotos oder den Absprachen entspricht….

dann fühlt man sich (dafür, dass man seine Dienstleistung kostenlos anbietet) schon richtig auf den Arm genommen. In solchen Fällen empfehle ich dann regelmäßig lieber ein kommerzielles Shooting bei einem Berufsfotografen, denn bei einem kostenlosen Shooting erwartet der Fotograf ein zuverlässiges Model, das auch an dem gemeinsamen Ziel aktiv mitarbeitet. Wer nichts tun und sich einfach nur fotografieren lassen will, der soll dafür eben Geld bezahlen – aber bitte dann bei einem anderen Fotografen.

Da mit Beginn der ersten wärmeren Tage die Anzahl der Bewerbungen, die uns über unsere Homepage erreichen, wieder spürbar nach oben geht, war es mir wichtig noch einmal auf diesen Unterschied zwischen kostenlosen und bezahlten Shooting in Bezug auf der Selbstverständnis der Models hinzuweisen. Leider kann man aber auch mit größter Vorsicht bei der Auswahl nicht immer ausschließen, dass sich auch bei uns mal eine Kandidatin darunter befindet, der das notwendige Engagement fehlt. Bei so vielen gleichzeitig in Warteposition stehenden Bewerberinnen ist das dann schon ärgerlich, wenn man seine Zeit an die falschen Kandidatinnen verschwendet hat…. aber in Veranwortung gegenüber all jenen, die bisher vergeblich auf eine Zusage warteten, werden wir uns in diesem Jahr noch schneller wieder von Kandidatinnen trennen, bei denen ich den Eindruck habe, dass es eben nicht passt.

Ich plane ab Mitte/Ende des Monats wieder mit Ausschreibungen durchzustarten, weil man dann auch unter der Woche abends zunehmend wieder gut shooten kann. Ich freue mich auf die jetzt kommenden helleren Monate und auf hoffentlich viele nette Kontakte, so wie das auch schon in den letzten Jahren immer der Fall gewesen war, damit sich die Seiten unserer Model-Meinungen auch 2016 weiterhin mit vielen positiven Kommentaren füllen.

Liebe Grüße,
euer Oliver von Allsvartur.de

Models auf dem Beitragsbild:
Sabrina, Caroline, Eileen Exotic,
Carla, Christina, Karo, Sofi, Melanie, Nina

Allsvartur

People – Fotograf mit kostenlosen Shootings in Hamm