Begeisterung

Ich bin der festen Meinung, dass ein Fotograf immer (!) von dem Model, mit dem er sein Projekt durchziehen möchte, regelrecht begeistert sein muss bzw. dass sich diese Begeisterung im Laufe des Shootings unbedingt entwickeln muss.

Ein Model, von dem ich so im Kopf habe „Ja OK, kann ich ja mal fotografieren und schauen was wird…“ bzw. bei dem ich während des Shootings denke „Naja, mal schauen was rauskommt“ begeistert mich nicht und damit möchte ich dann auch nicht dauerhaft arbeiten. Ich muss im Kopf haben: „Wow, super! Das ist genau die Richtige! Mit dem Model möchte ich unbedingt gern (nochmal) arbeiten!“…. sonst macht es einfach keinen Sinn für mich und vor allem auch keinen Spaß und dann weiß ich nicht, wieso ich dafür meine knappe Zeit opfern soll. Ohne Begeisterung geht es einfach absolut nicht. Dies gilt umso mehr dann, wenn der Fotograf für seine Zeit und Arbeit nicht bezahlt wird und er auch an den entstehenden Aufnahmen nichts verdient.

Wenn alles gut läuft, gebrauche dabei auch gerne und oft beim Shooting das Prädikat „Lieblingsmodel“ und zwar immer dann, wenn ich mit einem Model shoote (oder gerade geshootet habe) und ich einfach das Gefühl habe, dass ich den aktuellen Shooting-Termin mit genau der richtigen Bewerberin durchgezogen habe. Dabei geht es bei meinen „Lieblingsmodels“ zu absolut 0% (Null Prozent) um das Können vor der Kamera, wie zum Beispiel um Posing- und Ausdrucksfähigkeit (usw), denn sowas kommt mit der Zeit. Es geht mir viel mehr um die Chemie zwischen Fotograf und Model, die Lässigkeit und Experimentierfreudigkeit, die vertrauensvolle Zusammenarbeit, aber auch schon vor dem Shooting um zuverlässige Kommunikation, Einhaltung von Absprachen und gute Vorbereitung. Das sind alles Dinge, die einfach dazugehören, wenn man ein Lieblingsmodel werden will.

Deshalb belohne ich ganz bewusst die Models (mit denen all das gut funktioniert) gerne damit, indem ich ihnen auch zeige und sage, dass ich von ihnen begeistert bin. Wer freut sich denn nicht über eine verdiente positive Rückmeldung?

Dass ich dabei die meiste Zeit über mehrere Lieblingsmodels gleichzeitig habe liegt ebenfalls in der Natur der Sache, denn mein Model für ein Cybergothic Shooting in einer Industrielandschaft muss nicht die gleiche Person sein wie mein Model für ein Dessous Indoor Shooting.

So ist das „Lieblingsmodel“ wirklich auch ein Prädikat, das nicht nur verdient „werden“, sondern auch verdient „bleiben“ will…. und es steht und fällt mir meiner Begeisterung mit diesem Model weitere Projekte umzusetzen. Wenn ich nach einem guten Shooting mit dem Model nichts mehr auf die Beine stellen kann, weil es sich nur unzuverlässig meldet, mehrere Termine wieder absagt oder sich nicht an Absprachen hält (usw), dann muss man sich nicht wundern, wenn man seinen Status auch mal wieder verliert. Ich meine, wer könnte das nicht nachvollziehen?

Es steht und fällt eben mit der „Mitwirkung“ des Models… ein Wort das ich (ich weiß das wohl) auf unserer Seite sehr oft wiederhole… aber das für uns einfach extrem wichtig ist. Leider habe ich in den letzten Wochen mal wieder zunehmend das Gefühl, dass es einigen Bewerberinnen etwas an Mitwirkung fehlt, wie ich hier an drei Beispielen mal aufzählen will…

  • … wenn sich ein Model, nach drei in den letzten Monaten von ihr abgesagten Terminen wundert, wieso sie als mein früheres Lieblingsmodel nicht mehr sofort einen neuen Termin bekommt und entsprechend beleidigt schreibt, dann wundert mich das schon auch ein wenig.
  • … oder eine andere Bewerberin ebenfalls sauer ist, weil sie keinen zweiten Termin mehr bekommt, nachdem sie ihren allerersten Termin nicht abgesagte und statt uns eine kurze Nachricht mit einer Absage zu schreiben in der gleichen Zeit selbst genug Zeit und Muße hatte im Facebook Statusupdates zu posten. Dann ist das definitiv nicht die Form von Mitwirkung auf die wir Wert legen und worauf wir bei der Bewerbung ausdrücklich hingeweisen haben.
  • … oder sich zwar viele Bewerberinnen für ein Shooting melden, dann aber gerade mal 1-2 Kandidatinnen von sich aus den Outfit-Vorschlag einsenden… und wenn ich die anderen Kandidatinnen daran erinnere lese ich zwar oft „Ja, mache ich morgen“ … nur um dann wieder bei den meisten Bewerberinnen zu bemerken, dass es wieder vergessen wird. Auch da wundere ich mich, ob diese Bewerberinnen denken, dass sie sich dadurch als zuverlässiges zukünftiges Model empfehlen?

„Mitwirkung“ geht definitiv anders… und es ist auch eigentlich gar nicht schwer: Man sollte sich nur vorher überlegen, ob man bereit ist das zu leisten, was von einem am Mitwirkung erwartet wird, wenn man ein kostenloses Shooting haben will. Mehr Zauberei ist das wirklich nicht und es ist auch nicht unkalkulierbar, denn alles ist haarklein auf unserer Fragen-Antwort-Seite oder in unseren Ausschreibungen nachlesbar. Und seien wir ehrlich: das ist jetzt kein großer Aufwand sich einmal zu informieren.

Mitwirkung und Begeisterung sind eben zwei Dinge, die absolut eng miteinander verknüpft sind.

Kostenlose Shootings 2016In den letzten Monaten ist die Anzahl unserer kostenlosen Shootings (nicht alle davon waren öffentlich) wieder leicht gestiegen, wie man sieht (was hauptsächlich an den Indoor-Shootings lag). Es ist ganz logisch, dass mit vielen Ausschreibungen auch die Zahl der Negativ-Erlebnisse im Kontakt mit unseren Bewerberinnen wächst. Das ist mir also schon klar, aber an Wochen wie in KW48, wenn von vier Terminen gerade mal ein Termin dann wirklich klappt, dann empfinde ich meine Tätigkeit einfach zunehmend als mühsam und eben nicht mehr begeisternd.

Und das tut mir für die wenigen wirklich guten Models (die sich besser verhalten) dann immer sehr leid, denn es fällt mir manchmal eben auch nicht ganz leicht nur aufgrund einer Bewerbung und von wenigen Sätzen im Chat dann gleich die Spreu vom Weizen zu trennen. Sicher, es gibt Anhaltspunkte (z.B. wie gut die Bewerbung geschrieben ist und wie gut sich das Model an die Bildvorgaben hält usw)… aber so wirklich zu 100% weiß man das als Fotograf eben immer erst, wenn das Shooting beginnen sollte.

Wie bereits angekündigt bin ich derzeit dabei mir zu überlegen, wie ich diese Unterscheidung in Zukunft besser und zuverlässiger und vor allem möglichst schon VOR der Vergabe von Terminen hinbekomme… damit die, die sich einfach nur aus einer kurzen Lust und Laune heraus bewerben und es 10 Minuten später schon wieder vergessen haben, den „richtigen“ Bewerberinnen nicht immer freie Shooting-Zeit wegnehmen.

Übrigens: Wenn ihr dazu Tipps oder Ideen habt, bin ich für euren Input immer dankbar und habe im Chat immer ein offenes Ohr dafür. Ich möchte einfach denjenigen unter euch, die wirklich ernsthaft dabei sind, gerne mehr meiner Zeit schenken können.

Ich werde jetzt das Jahr erstmal ausklingen lassen und versuchen mir dazu Gedanken zu machen. Heute entscheiden wir noch, wer die Kandidatin für das Shooting-Wochenende im Januar sein wird… wobei wir nur die Bewerberinnen berücksichtigen, die nach ihrer Meldung auf die Ausschreibung auch wirklich einen Outfit-Vorschlag eingesendet haben. Dementsprechend bekommt also heute noch eine unter euch ihren Zuschlag für den Termin mitgeteilt und danach ist (was die People-Fotografie angeht) erstmal Ruhe bis zum Termin.

Mein Ziel für das kommende Jahr ist eigentlich noch immer gleich dem letzten Jahr: weniger sinnlose (weil nicht stattfindende) Termine. Vom Stil her möchte ich mich aber ein wenig verändern, bzw. dies erstmal parallel einführen und dazu in den ersten Wochen des neuen Jahres mal zwei oder drei Testshootings mit speziell dafür eingeladenen Models machen. Ich werde euch dann davon berichten.

Ich wünsche euch einen guten Jahresausklang und bitte euch, dass ihr auf euch aufpasst, so dass ihr gesund und sicher ins Neue Jahr kommt!

Liebe Grüße von eurem
Oliver von Allsvartur.de

Allsvartur

People - Fotograf mit kostenlosen Shootings in Hamm