Buddhagrafie und beinahe Blaulicht

Eigentlich finden sich auf unserer Webseite nur Fotos von weiblichen Models. Andere Fotos (die ich dann und wann mal aufnehme) will ich hier eigentlich auch gar nicht zeigen, weil dies vom eigentlichen Zweck dieser Seite auch zu sehr ablenken würde… aber nachdem ich ein Bild meiner letzten Buddha-Serie in eine Facebook-Fotogruppe hochgeladen und die Geschichte dahinter verraten habe, kann ich das hier genau so tun und euch damit ein wenig amüsieren.

Das ist doch auch mal eine nette Abwechslung zu den Beiträgen, in denen ich mich sonst über irgendwas im Bereich der Fotografie/Models/Fotografen wundere oder ärgere. Derartige Themen habe ich auch aktuell schon wieder genug auf Lager, aber im Moment mag ich mir die gute Laune nicht verderben lassen und deshalb schreibe ich euch lieber von der Buddha-Foto-Session.

Nun gut… ich hatte Urlaub und natürlich war mal wieder ein Shooting-Termin dank unzuverlässigem Model kurzfristig ausgefallen, so dass die dafür verplante Zeit nicht mit einem anderen Model neu besetzt werden konnte. Weil ich deshalb ein wenig bessere Laune dringend nötig hatte, schnappte ich mir eine meiner vielen Buddha-Statuen (die bei mir in der Wohnung herumstehen), packte sie in einen Rucksack und machte mich auf in den Maxipark, der sich nur wenige hundert Meter von meiner Wohnung entfernt befindet.

Dort angekommen plazierte ich meinen Buddha in verschiedene Ecken und versuchte ihn stimmungsvoll in Szene zu setzen. Unter anderem tat ich dies in einem mit wunderbaren Gräsern und Farnen bepflanzten und von grauen Kieswegen durchzogenen Gartenbereich. Für Ortskundige: der befindet sich ca. 200 Meter direkt gerade aus vom Haupteinang. rechts des Hauptweges in Richtung Schmetterlingshaus.

Nun ist diese Buddha-Figur nicht die Größte, die ich besitze… aber dafür ist sie gut transportierbar. Sie hat eine Höhe von ca. 30cm und demzufolge muss man mit der Kamera ganz schön tief runter, wenn man vernünftige Fotos machen will solange die Figur auf dem Boden steht.

Gesagt, getan.

So platzierte ich die Figur entlang des Weges unter Gräsern und Farnen und ging nicht nur in die Frosch- sondern direkt in die Ameisenperspektive über…. soll heißen: ich lag flach auf dem Boden, quer über den Kiesweg und mit dem Kinn schon auf dem Kies aufliegend da und fotografierte den Buddha. Manchmal muss ich natürlich die Perspektive verändern, so das ich (schmutzige Klamotten hin oder her) eben ein wenig bauchlinks liegend herumrutschte.

Ein gutes Foto ist eine Überwindungsprämie

Das sagt mein fotografischer Mentor. So muss das eben sein, dass man es sich auch mal unbequem und schmutzig macht, wenn man ein gutes Foto (bzw. eine gute Perspektive) haben will, die eben nicht gleich jeder hat, der die Mühe nicht auf sich nehmen will.

Nun, wie ich so im Kies liege und mich ärgere, weil die Kamera so tief liegt, dass ich nicht einmal mit dem Kinn im Dreck noch anständig durch den Sucher schauen und fokussieren kann, kommt ein junger Mann völlig atemlos angejapst und fasst mich schüttelnd am Fuß und fragt: „Hallo? Alles OK mit Ihnen?!?

Ich wälzte meinen nicht mehr ganz so sportlich-jugendlichen Körper in Seitenlage und hatte wohl erstmal einen ziemlich dämlichen Blick drauf, als ich dem jungen Mann sagte, dass natürlich alles in Ordnung ist und ich hier nur Fotos in ungemütlicher Position machte.

Wie ich dann von ihm erfahren habe, war er noch vor wenigen Augenblicken Besucher des Glaselefanten. Für Ortsfremde: das ist ein zu einer begehbaren Glas-Skulptur ausgebauter Förderturm der ehemals auf diesem Gelände ansässigen Kohlenzeche. Aufgrund der hohen Glaskonstruktion hat man einen Überblick über Hamm und das Umland – wenn man das sehen möchte, versteht sich. Dieser Glaselefant ist auch das Wahrzeichen von Hamm (obgleich ich zum Hammer Elefanten meine eigene Theorie habe, die sich eher von Ankh-Morpork her ableitet). Vom Glaselefanten abwärts bis dahin, wo ich lag, sind es (den Höhenunterschied außer Acht gelassen) schon einige hundert Meter… und von diesem Elefant aus sieht man eben auch den Bereich des Maxiparks, wo ich am fotografieren war.

Der junge Mann stand also oben mit Familie im Glaselefanten und sah mich wohl quer und natürlich für einen „normalen“ Besucher völlig untypisch auf dem Kiesweg herumliegen und dachte wohl, ich hätte einen Herz- oder Hirnschlag oder sonst ein medizinisches Problem, das mich ohnmächtig zu Boden brachte und da rannte er los bis zu mir.

Ich meine, es war natürlich eine vorbildliche und sehr noble Aktion von ihm. Gar keine Frage. Bedenkt man, dass die Leute heute eher stehenbleiben um von Unfällen Handyfilmchen fürs Web zu machen anstatt zu helfen, ist das schon etwas besonderes, wenn jemand einem so große Hilsbereitschaft entgegen bringt. Im Nachhinein betrachtet habe ich vermutlich aber auch Glück gehabt, dass der junge Mann nicht schon im Glaselefant das Handy gezückt und den Notarzt angerufen hat… ich weiß gar nicht wer für die falsche Alarmierung die Rechnung zahlen müssen hätte. Selbst wenn es der junge Mann bezahlen müsste, hätte ich das (als eigentliche Ursache) doch schon aus Gründen des Anstands übernehmen müssen.

Nun, jedenfalls habe ich mich natürlich ganz anständig für soviel Engagement bedankt… und am Abend gabs von dem Herrn (dank überreichter Fotografen-Visitenkarte) sogar ein Like auf meiner Facebook-Fanpage. 🙂

Beim nächsten Mal nehm ich vielleicht etwas mehr Ausrüstung mit, die ich dann um mich herum platzieren kann. Ein Stativ, einen Reflektor oder sonst etwas Großes… einfach nur um es neben mir aufzubauen… dann erkennt man vielleicht eher, dass hier etwas Technisches vor sich geht und keine hilflose Person herumliegt, sondern dass „Alles in Buddha“ ist. 🙂

P.S: Das Foto zum Beitrag entstand übrigens an anderer Stelle (bei den Teichen) und da lag der Fotograf nicht auf Kies, sondern in Rindenmulch und war vom Glaselefanten aus nicht zu sehen…

Allsvartur

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