Der Abgesang

In Ermangelung anderer noch verbleibender Internet-Projekte zweckentfremde ich den Blog hier auf meiner Fotografen-Webseite mal für einen der Fotografie themenfremden Inhalt, indem ich hier den offiziellen Abgesang zu meinen beendeten Online-Projekten vollziehe.

Ich habe mich mit Eintritt der Verbindlichkeit der DSGVO nun von sage und schreibe sieben Internet-Projekten getrennt und diese beendet. Bei den meisten dieser Projekte war es mir einfach die Zeit nicht wert diese individuell an die neuen Vorschriften anzupassen und der ganze Aufwand war mir angesichts dessen, dass ich diese Projekte kaum noch führte, dann im Verhältnis doch viel zu hoch.

Abgesehen von meinem aktuellsten Blog trauere ich daher diesen Projekten nicht wirklich nach – zumal ich mir zu Erinnerung vor der Abschaltung lokale Kopien gezogen habe und mir die Seiten lokal so immer wieder in Erinnerung schwelgend aufrufen kann.

Ein achtes Projekt, ein einst sehr erfolgreiches Community-Projekt, das ich ca. 10 Jahre lang führte und vor ca. 2 Jahren in andere sehr vertrauensvolle Hände übergab und ab dann nur noch im Hintergrund als Aufrechterhalter des Systems tätig war, wurde ebenfalls eingestellt. Hier lag die Entscheidung beim neuen Admin, aber diese beruhte quasi mehr oder minder auf meiner Einschätzung bezüglich der Anpassung des alten vielfältig veränderten und erweiterten Systems an die Vorschriften der DSGVO.

Bedenkt man, dass wir jede Art der Speicherung und Verarbeitung zu deklarieren hätten, wäre schon das ein Ding der Unmöglichkeit, denn von einigen Modulen gibt es schlicht keine entsprechende Dokumentation, so dass wir niemals zuverlässig hätten niederschreiben können, was diese aus fremden Scripts bestehenden Teile mit den Daten machen. Das ist eben eine andere Sache als bei einem CMS, das von vorne bis hinten aus dem gleichen Hause kommt – am besten von einer Firma, die das als Komplettpaket verkauft. Bei einem CMS, das kostenlos von unzähligen Entwicklern erschaffen und mit vielen Tools und Mods anderer Entwickler erweitert wurde, fehlt eben eine komplette alles umfassende Dokumentation oder auch ein universell zuständiger Ansprechpartner.

Nun muss man sagen: unser System lief 12 Jahre. Wurde täglich x-fach angegriffen und dennoch in all der Zeit nicht einmal gehackt. Die vielen Anpassungen, die wir im Laufe der Jahre vorgenommen haben (insb. unser Servermeister) waren also eine gute und brauchbare Sache unsere Seiten und die Daten sicher zu halten. Aber es ist eben etwas anderes, eine Seite abzusichern oder komplett zu dokumentieren, was die einzelnen Module/Scripte so alles speichern, erfassen, wie lange es gespeichert wird und dann auch noch Löschfunktionen komplett neu zu schreiben, die im Falle eines Widerrufs zwar Daten löschen (oder einen Teil der Daten, sofern nur teilweise Widerrufen wird), ohne dass der Rest dann beeinträchtigt wird oder Funktionsprobleme bekommt. Immerhin müssen wir auch an den Fall denken, dass ein User z.B. verlangt: „Ich will die Daten aus dem Chat gelöscht haben“ oder „Mein Gästebuch soll raus“… diese Funktionen waren nicht alle vorhanden bzw. nicht so vorhanden, wie sie die DSGVO nun verlangt. Das fängt schon mit der vollumfänglichen Auskunft aller Daten an, wenn jedes Modul selbst Tabellen anlegt und Felder füllt und kein zentrales Modul existiert, welches diese ganzen Informationen dann ohne viel manuelle Arbeit zu einer Gesamtauskunft zusammenführt.

Weitere Probleme traten auf, als ich schon ca. 50 Stunden in die Nachbesserung investiert hatte. Die Umrüstung auf das sichere HTTPS Protokoll hatte Änderungen an tausend Stellen in den Codes erfordert, aber problematischer war, dass viele Module, in denen Eingaben möglich waren (z.B. Gästebücher in Nutzerprofilen, Profilfelder, Chatnachrichten usw) keine Möglichkeit vorsahen unsichere Links (HTTP statt HTTPS) zu verhindern oder automatisch umzuschreiben. Auch hier hätte man an sehr vielen Stellen mit vielen Zeilen von Code nachbessern müssen und das innerhalb von Code anderer Programmierer, der auch meist nicht ordentlich kommentiert oder dokumentiert ist. Das wäre arbeitstechnisch ein Fass ohne Boden geworden.

Sicher, eine moderate Lösung wäre gewesen die Datenbank zu nehmen, alle Tabellen zu löschen die nicht zum Grundsystem gehören und dann einfach diese Datenbank mit allen Nutzerprofilen und Inhalten in ein neues zeitgemäßes CMS zu importieren. Das wäre eine gangbare Lösung gewesen, doch hier waren sich der neue Admin und ich sofort einig: das wäre dann einfach nicht mehr das Original gewesen. Das wäre einfach nicht authentisch und mit einer solchen Einsicht muss man dann einfach auch konsequent umgehen und sagen, dann lieber aufhören.

Bis dahin hatte ich in den Tagen und Wochen zuvor kräftig an einer DSGVO – Konformität gearbeitet (wie gesagt ca. 50 Stunden reingesteckt) und auch Geld in eine teuere anwaltliche Beratung investiert – damit ich sicher sein kann, ob ich den ganzen Aufwand eigentlich wirklich betreiben muss. Hätte ich damals schon erkannt, welche Probleme systemtechnisch da auf mich noch zukommen, hätte ich mir das Geld sparen können – aber manche Dinge will man eben nicht wahrhaben und versucht alles bis zum letzten Moment.

Und so kam es dann auch, dass wir quasi im letzten Moment (am 22.05.) beschlossen noch vor Eintritt der Verbindlichkeit der DSGVO am 25.05. die Seite vom Netz zu nehmen.

Auch nach 12 Jahren gilt eben: es ist falsch ausgerechnet in einem Medium wie dem Internet Beständigkeit zu erwarten. Ich hätte schon bei Inbetriebnahme der Seite niemals gedacht, dass es eine so lange Zeit werden würde.

12 Jahre … das ist schon eine verdammt lange Zeit für eine Internet-Seite. Im Verhältnis zu dem Kommen und Gehen im Internet sind das schon Äonen. Leider kann ich aber nicht behaupten, dass mir alle Jahre davon Spaß gemacht hätten. Die Anfangszeit war cool, aber mit der Zeit steigt einfach die Zahl der Mitglieder, die nicht mehr wirklich zu schätzen wissen, was man ihnen da bietet – auch weil sie keine Ahnung haben, welcher zeitliche und persönliche Aufwand dahintersteht. Das ist dann so, wie wenn man Gäste bei sich zuhause hat, die sich einfach nicht zu benehmen wissen … und irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich einfach kein persönliches Interesse mehr hatte und die Seite nur noch aus „Liebe“ zu den (gefühlt weniger werdenden) guten Usern aufrecht erhielt … aber auch diese „Liebe“ hat eben Grenzen, wenn die Hürden so hoch werden, dass sich der Aufwand dafür einfach nicht mehr lohnt und das war (neben der Authentizität der Seite) dann eben der zweite Grund die Seite einzustellen.

Dank habe ich für die Anstrengungen nicht erwartet. Erstens lief das alles recht ruhmlos im Hintergrund ab und außerdem bin schon zu lange im Amt des Admins um mich von solchen Illusionen wie echte Wertschätzung für geleistete Arbeit in die Irre führen zu lassen. Das ist keine Einsicht, die ich jetzt erst gewonnen hätte, sondern eine seit Jahren vorhandene Erkenntnis.

Eigentlich war von mir geplant nach 2-3 Tagen (wenn ich mich auch etwas mit der Situation abgefunden habe) eine Rundmail an alle zu schreiben…

… Aber wenn man liest, wie dann ohne jeden Anstand ÖFFENTLICH und für jeden im WWW lesbar über die emotionale und psychische Befindlichkeiten meines Nachfolgers (dessen Name ich hier aus Rücksicht nicht erwähne, der aber ebenso wie ich über dieses Verhalten denkt) oder den Seelenzustand und das Liebesleben einer Moderatorin (die ich ebenfalls nicht namentlich erwähnen möchte) ausgelassen hat… da ist es dann besser man schreibt keine Rundmail mit irgendwelchen trauertriefenden Abschiedsworten, sondern man löscht eben alle Datenbestände und lässt es einfach sein.

Auf mir kann man rumhacken, da hab ich kein Problem mit, weil es mir echt egal ist und mir die Meinung insb. einer Reihe von Leuten am Popo vorbeigeht – aber wenn man auf den anderen Leuten im Team rumhackt, die einfach nur netterweise mitgeholfen und sich reingehängt haben und ohne die schon vor 2-3 Jahren Feierabend gewesen wäre, dann geht mir dafür jedes Verständnis ab.

Mir persönlich hätte es schon genügt, wenn die Leute, die einfach keine Ahnung von den Abläufen und Absprachen der letzten Tage haben (können), wenigstens einfach die Schnauze gehalten hätten, anstatt an anderer Stelle noch groß und breit falsche Mutmaßungen in einer Art von sich zu geben, als wären es Tatsachen bzw. als wären sie bei den Absprachen und Maßnahmen der letzten Tage zwischen meinem Nachfolger und mir persönlich beteiligt gewesen.

Aber schon diese Erwartung war einfach zu hoch gegriffen… also gibt es für mich nun, nachdem die Seite ihr Ende gefunden hat, wirklich keinen Grund mehr hier irgend etwas nachzutrauern. Im Gegenteil: fast schon bedauere ich es, dass ich solchen Nachtretern und Großrednern so lange mit meiner persönlichen Freizeit, meinem Engagement und meinem Geld eine Heimstatt geboten habe und so ein Resümee ist doch sehr schmerzlich – denn heute denke ich: ich hätte damals den Laden einfach dichtmachen sollen und fertig.

Nun sind alle Projekte mit Ausnahme meines Fotografie-Projektes eingestellt und ich empfinde eine gewisse Freiheit – nicht nur was die Unkosten betrifft, die ich bisher deshalb zu bestreiten hatte, sondern ich habe nun plötzlich auch viel mehr Zeit und die will ich dann auch wirklich produktiv hier für dieses Projekt einsetzen. Ich freue mich darauf meine Zeit nun wieder ungeteilter meinem Projekt Allsvartur.de widmen zu können und das versöhnt mich etwas mit den betrüblichen Einsichten und Erfahrungen der letzten Tage.

Was meine anderen Internetprojekte betrifft (darunter ein bereits länger geführter und gut frequentierter Blog soweit zwei Blogs, die sich ursprünglich mit etwas spezielleren Themen beschäftigten und ein Blog, den ich zusammen mit meiner Freundin führte, der aber zuletzt stark vernachlässigt war) so tut es mir schon leid, dass ich diese Dinge aus dem Web nehmen musste, denn so ein Blog (vor allem wenn er über einige Jahre geht) ist doch schon so ein kleines persönliches Zeitdokument, dass einem selbst über Jahre zeigt, wie man sich selbst entwickelt hat.

Hier jedoch muss man einfach kühl und nüchtern eine Abwägung vornehmen, ob man wirklich noch Zeit und Willen hat daran so viel weiterzuschreiben, dass sich die Umstellung auf die DSGVO noch lohnt (und das wird nicht bei einer Änderung bleiben) oder ob man dann eben doch lieber schließt.

Es ist ja noch nicht einmal wirklich geklärt, ob für mich (der ich kein Blog- oder Fotografie-Seite in irgendeiner Weise gewerblich nutze) die DSGVO in dem Umfang gilt… aber Vorsicht ist mir da allemal lieber und ich denke, dafür werden die meisten Verständnis haben.

In diesem Sinne,
euer Oliver von Allsvartur.de

Allsvartur

Fotograf in Hamm sucht neue Models / Online-Bewerbung für Models / Arbeitet auch mit Anfängerinnen und Einsteigerinnen / kostenlose Fotoshootings (TFP)