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Photoshop

Dieses Bild ist bearbeitet

Ab morgen (01. Oktober 2017) gilt in Frankreich ein neues Gesetz: Modelfotos, die per Bildbearbeitung verändert wurden, müssen mit dem Vermerk „retouched photograph“ oder „photographie retouchée“ ausgestattet werden… oder anders gesagt: wenn etwas am Model retuschiert oder „optimiert“ wurde, ist das zukünftig zum Bild zu erwähnen.

In der ARD Mediathek findet ihr dazu einen kurzen Videobericht.

Ich bin gespannt, ob dieses Gesetz wirklich die erwünschten Wirkungen zeigt.

Anlass für diese Neuerung war unter anderem der zunehmende krankhafte Ehrgeiz junger Mädchen einen idealen Körper zu haben und die damit für die Mädchen einhergehende Gefahr, sich dadurch in Magersucht und anderen Störungen zu verlieren – so wird berichtet.

Dabei stimme ich zu, dass gegen Magersucht und dem gesellschaftlichen Druck, den die jungen Jugendlichen heute ausgesetzt sind, etwas unternommen werden muss, ABER ich bin mir nicht wirklich sicher, ob so ein Gesetz dafür das richtige Mittel ist und ob dieser Druck wirklich so hauptsächlich von den Modelfotos herstammt (wo wirklich jeder weiß, dass hier selten 1:1 wiedergegeben wird) oder nicht von ganz anderen Situationen, die die jungen Mädels im Alltag erleben und im TV täglich frisch serviert bekommen?

Müsste man sich (wenn man der Logik dieser Foto-Vorschrift folgt) dann zukünftig nicht auch jeden Tag, wenn man aus dem Haus geht, ein Schild um den Hals hängen, auf dem „geschminkt“ oder „push up“ zu lesen steht?

Natürlich ist diese Frage etwas provokant, aber sie soll eben darauf abzielen, dass ich meine, dass es sinnlos ist, etwas zu kennzeichnen, was ohnehin schon jeder weiß… nämlich das Modelfotos wirklich nur in den seltensten Fällen nicht verändert wurden.

Ich meine, sind wir da nicht bei einem Niveau angekommen, das an das US-amerikanische „HOT!“ auf dem Kaffeebecher erinnert? Jedes Teenie lädt heute schon in Facebook, Instagram und Tumblr Fotos hoch, die durch so viele Filter gejagt wurden, dass selbst mir dabei ganz schwindlig wird… wer braucht da wirklich noch eine Kennzeichnung?

Und sollte man das Problem nicht eher bei der Wurzel packen und die angehenden Teenager mal darauf sensibilisieren, dass sie mit 14 eben noch nicht wie wesentlich weiter entwickelte 21jährige aussehen müssen und das man mit 12 Jahren auch wirklich noch nicht geschminkt zur Schule gehen braucht?

Ich habe das Thema schon in vielen Varianten mit einigen meiner Models während unserer Shootings besprochen, denn ich finde, dass die Jugendlichen heutzutage quasi gar keine Kindheit mehr haben und ich hörte dabei häufig, dass der Druck in der Hauptsache untereinander (also im Bekanntenkreis) entsteht. Wenn man mit 14 nicht schon aussieht wie die Pop-Diva aus dem TV (inkl. voll entwickelter weiblicher Formen) ist das schon ein Drama…. zu meiner Zeit (so meine ich mich zu erinnern) hatten die Mädchen mit 14 noch nicht solche Sorgen wie heute. Vor kurzer Zeit noch hatte ich eine Nachbarin hier, deren Tochter ging bereits mit 12 Jahren geschminkt zur Schule? Wieso? Frage ich mich da? Wieso lässt das die Mutter zu, anstatt ihr Kind besser zu schützen und wieso verkauft man Kindern solche Produkte überhaupt?  Ich meine, bei Alkohol und Energy Drinks ist doch auch eine gewisse Sensibilität geschaffen worden und deshalb wird sowas nicht an zu junge Konsumenten verkauft… wieso sollte man das nicht auf andere Bereiche ausweiten?

Ein Gesetz zur Kennzeichnung von Fotos finde ich jedenfalls kaum tauglich dafür. Würde sowas in Deutschland kommen, würde ich es natürlich befolgen und somit quasi alle Bilder mit einem Vermerk ausstatten- aber dennoch würde ich diese Sache weiterhin für völlig wirkungslos und im Sinn verfehlt halten…