Hochzeitsfotograf

Mal ganz ehrlich Freunde, als hauptberuflicher Hochzeitsfotograf möchte ich meine Brötchen gewiss nicht verdienen. Mir fällt nämlich wenig ein, was in der Fotografie anstrengender ist als das…. zumindest geht es mir so.

Dabei hatte ich bisher Glück, denn irgendwie habe ich die Leute, die sich an diesen Tagen (gegenseitig) versprochen haben, immer vorher schon privat gekannt… und es ist eben doch etwas ganz anderes, wenn man die Hochzeit von Freunden fotografiert, als wenn es einem völlig unbekannte Personen sind. Es steckt bei mir dann einfach eine andere Art von Herzblut dahinter, aber natürlich fühle ich mich auch auf eine seltsame Weise mehr verpflichtet möglichst perfekt und vor allem schnell zu arbeiten, weil es eben nicht nur irgendwelche Leute, sondern meine Freunde sind.

Trotzdem istund bleibt der Arbeitsaufwand, der sich für den Fotografen rund um eine Hochzeit (vorher, während und vor allem auch danach) ergibt wirklich enorm. Die Vorbereitung ist dabei noch der angenehmste Teil (Besprechung, im Optimalfall auch Begehung der Location, abklären der Wünsche usw), aber der eigentliche Hochzeitstag ist (vor allem wenn die Begleitung bis in die Nacht gehen soll) dann richtiger Stress!

Immerhin soll der Fotograf möglichst nicht nur überall dabei sein, wo gerade etwas passiert (was vor allem bei den spontanen Aktionen, die von den Hochzeitsgästen veranstaltet werden, oft schwer ist), sondern er sollte dabei auch immer gleich die perfekte Perspektive haben – das kann bei großen Gesellschaften oder nicht besonders geräumigen Locations schon ganz schön schwierig werden… und so richtig mal Pause hat man eigentlich nie, weil immer irgendwo irgendwas läuft oder los ist. Man wünscht sich einfach möglichst an vier Orten gleichzeitig sein zu können um bloß nichts zu verpassen…. und wenn man sich mal hinsetzt und was trinkt, überlegt man nebenbei schon immer, was einem grade fototechnisch entgehen könnte…

Wer meinen privaten Blog liest, weiß vielleicht, dass ich sehr oft unter Schlafstörungen leide… aber so gut und fest wie nach so einem 14, 16, 20 Stunden Hochzeitseinsatz schlafe ich wirklich selten, weil ich danach trotz ausgiebiger Dusche einfach nur noch tot ins Bett falle. Ja, man ist schon richtig fertig, wenn man dann irgendwann in den frühen Morgenstunden wieder zuhause ankommt.

Dann will ich auch erstmal nichts mehr von der Hochzeit sehen oder hören. 🙂 Mindestens einen Tag brauche ich da schon um einfach mal was anderes in den Kopf zu bekommen.

Danach beginnt dann der Teil, den ich an der ganzen Arbeit am wenigsten mag. Es geht darum aus den vielen Bildern dieses Tages (die ich natürlich mit mehr als nur einer Kamera aufgenommen habe) die besten Bilder zu selektieren, zu ordnen und natürlich vor allem zu bearbeiten… und je nach Anzahl der Bilder dauert das eben auch seine Zeit. Bei der letzten Hochzeit habe ich ca. 380 Bilder einzeln bearbeitet… Stück für Stück, ganz individuell und mit der dafür nötigen Zeit. Da reden wir dann eben nicht nur von 2-3 Abenden mit jeweils nur 1-2 Stunden, sondern über eine deutlich längere Zeitspanne.

Da hilft mir oft das Wissen, dass es eben wieder Freunde sind, denen ich hier meine Arbeit widme… das motiviert… und irgendwann ist es dann auch geschafft und jedes Mal sage ich mir dann „So schnell fotografiere ich keine Hochzeit mehr, ganz gleich was ist.“ 🙂

Ich ziehe also meinen Hut vor allen Fotografen, die ihre Brötchen in der Hauptsache mit dieser Arbeit verdienen. Für mich wäre das nichts, denn es würde mir in Windeseile den Spaß an der Fotografie nehmen… und der Spaß ist für mich doch die mit Abstand wichtigste Sache in Hinsicht auf meine Arbeit, sonst könnte ich es doch gleich lassen.

Allsvartur

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