Nörgler-Lurche

„Nicht perfekt“ so lese ich ab und zu mal in der vom Fotografen selbst verfassten Bildbeschreibung eines Bilduploads in den Fotogruppen bei Facebook oder auch bei Uploads in den Galerien der Bildercommunities.

Das sind dann zwei Worte, die (wie ich meine) viel aussagen, wenn sie vom Schöpfer dieses Fotos selbst kommen. Nicht über den Fotografen, den Bildbearbeiter oder den Uploader (welche im Normalfall alle drei in der gleichen Person vereinigt sind), sondern darüber, wie wir als Onlinewelt, als Community bzw. als Gemeinschaft von Menschen, die ein gemeinsames Hobby oder doch zumindest ein gemeinsames Interesse teilen, miteinander umgehen.

Tatsächlich grenzt es in manchen Gruppen (bzw. auf manchen Seiten) schon an Masochismus wenn man auch nur irgendein Foto dort hochlädt. Die Klasse oder Güte des Fotos, also der Grad an Perfektion in jeder Hinsicht (sei es nun das Motiv, die Perspektive, der Schnitt, die Umsetzung, die Bearbeitung usw) spielt hierbei kaum eine Rolle, denn unter irgendeinem Stein kommen immer die Nörgel-Lurche hervorgekrochen, deren wahres Interesse nicht die Bildbesprechung ist, sondern die ihr eigenes fragiles (aber nach außen hin natürlich glorifiziertes) Ego nur dadurch wieder auf ein für sich selbst notwendiges Mindestmaß hochschrauben können, indem sie andere niedermachen.

Ja, ich meine „niedermachen“. Ich meine nicht „Kritik“. Das ist ein Unterschied über den sich schon unzählige Fotografen vor mir die Finger wundgeschrieben haben, indem sie in diversen Fotogruppen und auf diesen Bildercommunities wahre Denkschriften über den Umgang untereinander verfasst haben – natürlich ohne Erfolg, denn die, die sich dabei Gedanken machen sollten, fühlen sich nicht angesprochen. Aber den Unterschried zwischen „Kritik geben“ und „Niedermachen“ und auch die Kunst des „Kritik entgegennehmen“ ist ein Thema, das ich in einem anderen Blogbeitrag einmal aufgreifen werde (schon allein deshalb, damit ich mich als Fotograf auch in die Hall of Fame der Denkschriftenschreiber einreihen kann).

Kommen wir zurück zu diesen Hinweis „Nicht perfekt“.

Ist es nicht sehr schade, dass sich Menschen, die sich mit Hingabe und Interesse einer Beschäftigung widmen, meinen so etwas unter ihr eigenes Bild schreiben müssen? Natürlich maße ich mir dabei auch nur an den Grund dafür genau zu kennen, doch mit einem solchen Hinweis kann man doch zumindest (aus meiner Sicht heraus würde ich sagen „beobachtungsgemäß“) einen großen Teil der Leute bereits den Wind aus den Segeln nehmen, die ihre Onlinezeit lediglich darauf verwenden hinzuweisen was an einem Foto alles scheisse ist (und sowas ist keine Kritik).

Schön wäre es, wenn wir alle einfach unsere Werke – perfekt oder nicht – einfach hochladen und uns darauf verlassen könnten, dass sich nur Menschen zu Wort melden, denen ein ehrliches Interesse an einer echten Besprechung innewohnt.

Und was heißt dabei überaupt „perfekt“? Nach wessen Maßstäben? Kennt ihr ein einziges Bild von irgendjemanden, das man nicht so etwas besser oder zumindest anders machen könnte? Mir fällt dazu jedenfalls kein Bild ein, doch heißt das nicht, dass es keine guten Bilder sind. Es heißt nur, dass es „DAS PERFEKTE BILD“ einfach nicht gibt… und es ist ein Glück, dass es so ist. Davon lebt die Fotografie, das macht sie interessant und facettenreich… das gibt genau die Freiräume, die es möglich machen, dass ein breites Feld von Bildwerken entsteht, obwohl sich mehrere Fotografen mit dem gleichen Thema beschäftigen. Das ist es, was Kreativität überhaupt erst zulässt.

Zu schade, dass sich leider zu viele Fotografen von den Nörgel-Lurchen einschüchtern lassen und ihr Licht mit solchen Hinweisen unter den Scheffel stellen. „Perfektion“ ist eine Illusion. Perfektion kann ein Ziel sein, ein Weg den man versucht zu gehen, um darauf immer weiter zu kommen… aber Perfektion wird nie erreichbar sein, denn wie eine Fata Morgana entflieht sie immer dann in noch weitere Ferne, wenn man meint sie bald erreicht zu haben.

Ich behaupte nicht, dass auch nur eines meiner Bilder perfekt ist. Ich weiß, es gibt unzählige Fotografen, die „besser“ sind als ich…. sei es in der Fotografie oder in der von mir nicht so besonders geliebten Nachbearbeitung. Na und? Es gibt auch Autofahrer, die schon länger unfallfrei fahren als ich… aber schreib ich mir deshalb „Nicht perfekter Autofahrer“ auf die Heckscheibe? Wohl kaum.

Ich versuche meine Bilder so zu gestalten, dass sie mir gefallen. Richtig zufrieden bin ich nie, das wäre auch schlimm, denn dann wäre kein Antrieb da. Ich ziehe meine Zufriedenheit daraus, zu sehen, dass meine Bilder heute besser sind als meine Bilder von damals.

Ich bin auf dem Weg… und DAS ALLEIN zählt.

Allsvartur

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