Hobby-Model, aber sicher!

Zum hier vorliegenden Artikel möchte ich zunächst einen Begriff klarstellen. Ich meine damit den Begriff des „Fotografen„. Mit der Bezeichnung „Fotograf“ meine ich nicht nur die Menschen, die mit Fotografie als Hauptberuf ihr Geld verdienen, sondern ausdrücklich auch ALLE Menschen, die ernsthaft und seriös bemüht sind zusammen mit ihren Models im gegenseitig wertschätzenden Umgang an guten gemeinsamen Fotos zu arbeiten…. also auch all jene Menschen, die das nebenberuflich oder nur aus hobbymäßiger Passion betreiben.

Doch leider gibt es da auch noch die „Anderen“, denn nicht jeder, der eine Kamera besitzt (oder zu besitzen vorgibt), ist auch wirklich ein „Fotograf“. Ich möchte vor den Zeitgenossen warnen, die nur vorgeben sich als „Fotograf“ zu betätigen, weil sie damit die Hoffnung verbinden, dass ihnen unerfahrene Models auf den Leim gehen. Es erschreckt mich immer wieder welche heftigen Geschichten ich von einigen Models höre… und teilweise wären diese Geschichten auch vermeidbar gewesen, wenn sich das Model vorher etwas weniger vom erhofften Model-Ruhm hätte blenden lassen.

Weil mir meine Models (auch meine zukünftigen Models) aber am Herz liegen, habe ich hier einen kleinen Artikel mit Tipps zusammengestellt, anhand derer man checken kann, wie es um den Fotografen, der ein Shooting anbietet, bestellt ist. Diese Tipps geben dir natürlich keine 100% Garantie immer die richtige Wahl zu treffen, aber sie können dir ein Wegweiser und eine Hilfe sein um eine gute und sichere Entscheidung zu treffen, die Du später hoffentlich nicht zu bereuen brauchst.

 

Die folgenden Aspekte kannst Du verwenden, wenn Du dir einen Fotografen etwas genauer anschauen willst:

  • Adresse und Daten prüfen

Findet das Shooting beim Fotografen statt, lass dir frühzeitig die kompletten Adressdaten geben und prüfe auch die Richtigkeit der Daten (z.B. via Telefonbucheintrag, Impressum auf der Webseite des Fotografen, Google Maps usw) und auch seine Telefonnummer solltest Du mit gleicher Sorgfalt prüfen, zum Beispiel indem Du ihn auch mal anrufst.

  • Homepage / Fanpage / Sedcard prüfen

Jeder Fotograf fängt mal an, aber eine Homepage, eine Fanpage oder eine Sedcard hat ein Fotograf auch ganz am Anfang sicher schon , wenngleich auch weniger gut ausgebaut vielleicht. Solche Seiten sind gut um z.B. die Impressumsdaten mit der angeblichen Anschrift des Fotografen (Ort des Shootings) zu vergleichen oder auch um zu schauen, ob der Fotograf überhaupt bereits Fotos veröffentlicht hat. Eine schnell dahingeklatschte Homepage mit unzureichenden oder widersprüchlichen Informationen ist nicht unbedingt vertrauenserweckend.

  • Bisherige Werke und vor allem deren Urheberschaft prüfen

Schau dir die bisherigen Fotos deines Fotografen an, ob dir die Bilder überhaupt gefallen oder ob der Fotograf in Stil, Ausdruck und Können eher doch nicht dein Fall ist. Wenn der Fotograf meint bereits einige Erfahrung in dem Genre zu haben, dass er mit dir shooten will, wird er dazu auch schon Werke ausgestellt haben.
Ob die Fotos wirklich vom diesem Fotografen stammen (oder ob sie im Internet auf Seiten hundert anderer Menschen ebenfalls enthalten sind, was eine Urheberschaft des Fotografen zumindest bezweifeln lässt) kannst Du anhand einer Bildervergleich-Suchmaschine testen. Dazu kannst Du Google aufrufen und oben rechts auf „Bilder“ klicken. Dann kopierst Du die Adresse eines Bildes deines Fotografen in die Suchzeile und Google zeigt dir dann alle Webseiten, auf denen dieses Bild bisher auch gefunden wurde.
Da viele Fotografen (wie auch ich) in mehreren Portalen gleichzeitig angemeldet sind, ist es durchaus normal, dass man die gleichen Bilder gleichzeitig auf verschiedenen Seiten findet. Jedoch sollten die Information über den jeweiligen Uploader (Username, Wohnort usw) doch auf die Identität des Fotografen hinweisen. Kleine Abweichungen und Bildverwechslungen sind natürlich möglich, dennoch ist dies ein brauchbares Mittel um Menschen auf die Schliche zu kommen, die sich nur als Fotografen ausgeben und sich dabei Bildern anderer Urheber bedienen.

  • Bewertungen prüfen

Frag deinen Fotografen danach, ob er auch in Model/Fotografen-Portalen angemeldet ist. In vielen solcher Portalen können sich Models und Fotografen nach einem Shooting gegenseitig beurteilen (ähnlich wie man das von Ebay her nach einer Kaufabwicklung kennt). Dort kannst Du ggf. auch viel über die Zuverlässigkeit und Seriosität deines Fotografen erfahren. Anhand der Daten auf dem Profil und der Fotos im Profil solltest Du aber vergleichen, ob es sich hierbei wirklich um das Profil deines Fotografen handelt.

  • Vorherige Fotopartner checken

Wenn der Fotograf zum Beispiel Bilder auf seiner Facebook-Seite mit den Userprofilen seiner Models verknüpft hat, schreib sie ruhig mal an und frage nach, ob sie zufrieden waren und wie sie den Fotografen so finden (falls der Fotograf solche Meinungsbilder seiner Models nicht auf der Homepage hat). Ein Model, dass mit seinem Fotografen zufrieden ist und Vertrauen hat, wird dir dann auch sicher Auskunft geben.

  • Familie/Partner über das Vorhaben informieren

Wenn Du zu einem Shooting fährst, solltest Du deinem Partner oder deiner Familie auf jeden Fall die Information hinterlassen, wohin zu fährst, wie Du dort zu erreichen bist (Name/Anschrift des Fotografen, Ort des Shootings, Telefonnummer des Fotografen) und wann Du ungefähr zurück bist. Somit weiß im Notfall immer noch jemand, wo man dich findet. Vor allem kannst Du das den Fotografen auch ruhig wissen lassen, dass Du die Daten von ihm und dem Termin auch an deine Familie oder deinen Partner gegeben hast.

  • Themengebiete und Location vorher besprechen

Damit Du dich nicht der Situation ausgesetzt siehst, dass dich ein Fotograf während des Shootings zu überreden versucht Bilder von dir zu machen, die Du eigentlich gar nicht machen willst (z.B. freizügige Aktbilder) oder damit Du dich nicht völlig unvorbereitet allein im dunklen Keller eines verlassenen Hauses stehend wiederfindest,  ist es in deinem eigenen Sicherheitsinteresse, dass Du mit dem Fotograf vor dem Termin besprichst, welche Aufnahmen gemacht werden und in welcher Umgebung das stattfindet.

  • Sich nie ohne Vertrag fotografieren lassen

Ein schriftlicher Vertrag gehört zu jedem noch so kleinen und braven Shooting dazu. Es ist wichtig für dich schriftlich in die Hand zu bekommen, was mit deinen Fotos später als getan werden darf und wer darüber entscheidet. Es ist auch für dich wichtig schriftlich und unterschrieben bestätigt zu haben, dass Du die Fotos (an denen der Fotograf die Urheberrechte hat) selbst veröffentlichen und verwenden darfst. Zum TfP-Vertrag habe ich auch hier einen weiteren informativen Artikel verfasst.

  • Vertrag schon Tage vor dem Shooting einmal lesen

Nur wer etwas im Vertrag zu verbergen hat, wird sich weigern ihn dir auch schon vor dem Shooting-Termin zur Verfügung zu stellen, damit Du ihn in Ruhe lesen kannst. Ein Vertrag, der dir erst kurz vor dem Shooting zur schnellen Unterschrift vorgelegt wird, sollte mit ganz besonderer Aufmerksamkeit und Ruhe gelesen werden. Immerhin kann man zumindest mutmaßen, dass es einen Grund geben wird, wieso der Vertrag nicht schon vorher gelesen werden durfte.

  • Vertrag in Ruhe lesen

Lass dich beim Lesen des Vertrages nicht stören oder aus der Ruhe bringen! Wenn mehr Zeit für die Vertragsbesprechung verwendet werden muss als ursprünglich geplant, dann ist das eben so. Die paar Minuten mehr ersparen dir unter Umständen später Monate voller Stress mit Anwälten.  Wenn dir etwas im Vertrag nicht klar ist, frage nach und/oder lass dir unklare Klauseln noch einmal schriftlich im Vertrag kommentieren.

  • Zusätzliche Absprachen

Sogenannte „Nebenabreden“ oder „Nebenabsprachen“, die Klauseln des Vertrages aufheben, ändern, ergänzen oder die völlig neue Vereinbarungen enthalten, sollten IMMER und AUSNAHMSLOS schriftlich im Vertrag dokumentiert und von den Vertragspartnern unterschrieben werden, denn nur so kann man später auch beweisen, dass etwas derartiges vereinbart wurde.

  • Vorsicht bei angeblich zwingend notwendigen Akt-Selfies (Nacktbilder)

Es gibt immer wieder Einsteigerinnen, die von angeblichen Fotografen für besonderen oder gut bezahlten Shootings engagiert werden sollen, wenn sie vorher (natürlich „nur damit sich der Fotograf ein Bild machen kann“) ein paar Akt-Selfies (Nacktbilder) anfertigen und an den angeblichen Fotografen senden. Überlege dir genau, wem Du solche Fotos von dir sendest und ob die Person wirklich die ist, für die sie sich ausgibt. Wenn Du solche Fotos erstmal aus der Hand gegeben hast, hast Du keine Kontrolle mehr über ihre Verwendung und Verbreitung.
Insbesondere wenn die Fotografen/Shootings weiter entfernt und die zunächst nur durch das Internet bekannt sind, wäre ich sehr vorsichtig dabei, für wen Du solche Fotos anfertigst und zur Verfügung stellst, denn ich kenne kaum ein Shootingvorhaben, bei dem es wirklich notwendig ist dass ich mir von einem neuen Model Nacktbilder schicken lassen muss…. außerdem gehören Aktshootings zu den schwersten Shootings und sind garantiert nichts für Anfänger.

  • Umziehen und Ausziehen

Selbst bei einem Akt-Shooting ist es unüblich, dass sich das Model in Gegenwart des Fotografen auszieht. Für solche privaten Momente sollte dem Model immer ein privater, sichtgeschützter und ungestörter Raum zur Verfügung gestellt werden.  Gerade dann, wenn Du in dir noch unbekannten Locations (Studio, Privatwohnung usw) shootest, solltest Du ausdrücklich nachfragen, ob dir ein solcher Raum zur Verfügung steht.

  • Ungewollte Bilder

Kläre ggf. ab, was mit Aufnahmen geschieht, die Du keinesfalls veröffentlicht wissen willst. Dass kein Fotograf Aufnahmen von dir machen sollte, wenn Du dich z.B. gerade umziehst, ist selbstredend. Jedoch können auch beim Shooting Aufnahmen entstehen, die mehr zeigen als dir lieb ist. Vergewissere dich daher immer, was in solchen Fällen dann vertraglich gilt: darf der Fotograf alleine aussuchen, hast Du ein Mitsprache- oder sogar ein Veto-Recht?

  • Nicht auf Karriere- und Honorar-Ankündigungen hereinfallen

Insbesondere junge Models, die sich im wahren Geschäfts- und Berufsleben noch nicht so wirklich auskennen, sind unter Umständen leicht mit großartigen Karriere-Versprechen zu ködern um sie sich dann „für ganz andere Absichten“ gefügig zu machen. Es sind mir Fälle von Fotografen oder sogenannten Model-Scouts bekannt, bei denen die Devise galt: „Sei lieb zu mir und ich mach dich berühmt“.  Sei dir gewiss, ein professioneller Fotograf/Scout arbeitet so nicht. Karriere-Vesprechungen, deren Einhaltung davon abhängt wie „nett“ Du zu dem Fotografen bist, sind meist nur Augenwischerei.
Natürlich ist es super (!) wenn man als Model mit seinem Hobby auch noch Geld verdienen könnte und vielen erfahrenen und geübten Models gelingt das auch ganz gut… aber lass dir nicht das Hirn von irgendwelchen Geld-Angeboten verdrehen, sondern bleib realistisch. Bedenke wie viele Models es gibt, die kostenlos shooten und womöglich auch noch viel erfahrener und professioneller sind als Du (wenn Du z.B. noch eine Einsteigerin bist).
Frage dich daher bei solchen Angeboten immer: Wieso sollte ein Fotograf, der womöglich auch nicht einmal in deiner Nähe wohnt, sich Unkosten/Ausgaben mit dir aufhalsen, wenn doch davon auszugehen ist, dass es auch in seiner Gegend genug kostenlose Models zur Verfügung stehen dürften…? Je weniger professionelle Fotos Du auf deiner Sedcard vorzuweisen hast und je mehr Du noch als Einsteigerin giltst, umso für so unwahrscheinlicher halte ich es, dass eine Gage wirklich Ernst gemeint ist… sondern eher nur dazu dient andere Motive zu verschleiern.

  • Begleitpersonen

Wenn Du einen Fotografen nicht kennst, ist es immer sicherer eine Begleitperson zum Shooting mitzubringen. Dies gilt umso mehr, wenn freizügige Fotos und/oder in nicht öffentlichen Räumen aufgenommen werden sollen.  Ein echter Fotograf, der nichts Böses im Schilde führt, wird auch kein Grund haben etwas verbergen zu wollen.
Jedoch taugen nicht alle Begleitpersonen gleichermaßen für ein Shooting. Lebenspartner, die z.B. zu Eifersucht neigen, sind bei einem freizügigen Shooting oft eher störend als hilfreich. Daher gibt es durchaus auch Fotografen, die zwar Begleitpersonen erlauben, aber eben bestimmte Personen dabei lieber nicht haben wollen, sondern zu einer alternativen Begleitperson (Schwester, Freundin usw) raten. Einem Fotografen, der aber kategorisch jegliche Begleitperson beim Shooting ablehnt, würde ich nicht über den Weg trauen.

  • Der wichtigste Tipp von allen: Im Zweifel ablehnen

Sollte dir in einem oder womöglich sogar mehreren der hier behandelten Punkte nun Zweifel kommen, wenn es um die Zusammenarbeit mit dem einen oder anderen dir noch unbekannten Fotografen geht, so würde ich dir immer empfehlen im Zweifel auf ein Shooting zu verzichten.
Ein schönes Foto ist viel wert, aber es lohnt sich nicht dafür jedes Risiko in Kauf zu nehmen. Kein Shooting ist mehr wert als deine körperliche und seelische Unversehrtheit.

Beitragsbild:
Model: Lisa (A-Girl #134)
Foto: Allsvartur.de

Allsvartur

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