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Model: Carla / Home High Key Fotoshooting / Foto: Allsvartur.de

Traum und Wirklichkeit

Traum und Wirklichkeit

Vor zwei oder drei Nächten hatte einen einen sehr seltsamen Traum:

In diesem Traum geschah es immer wieder, dass ich zufällig auf extrem gute fotografische Szenen und Motive traf, die ich unbedingt mit meinem Handy im Bild festhalten wollte. Meine Spiegelreflex-Kameras hatte ich nämlich nicht dabei und so blieb mir nur das Handy.
Alle Motive, die ich fotografieren wollte, waren zeitkritisch – das heißt, sie standen immer nur für wenige Augenblicke zur Verfügung (Beispiel: Sonnenuntergang, scheue Tiere, Menschen in bestimmten Situationen usw).
Also zückte ich immer schnell mein Handy, wenn ich auf eines dieser unglaublich guten Motive traf, um ein tolles Foto davon zu machen … doch, oh Schreck … jedes Mal klappte es nicht, weil mein Handy alles dafür tat, um die Aufnahme zu sabotieren.
Mal ging die Bildschirmsperre nicht schnell genug aus, weil mein Handy nicht schnell genug aus dem Ruhemodus kam. Mal waren die Bildschirmtasten so klein, dass ich es nicht rechtzeitig schaffte den Entsperrungscode einzugeben, mal verschob ich versehentlich auf dem Display die Auslösetaste der Kamera-App und verwackelte dann jedes Mal das Bild, als ich versuchte den Auslöser mit meinem Finger zu erreichen … usw. usw. usw.
Kurz und gut: ich wurde quasi von tollen fotografischen Motiven überrannt und war von ihnen in Hülle und Fülle dicht umgeben, jedoch schaffte ich es nicht auch nur ein einziges vernünftiges Fotos aufzunehmen.

Nun, ich halte wenig von Traumdeutung und solchen Dingen, aber ich habe schon häufiger bemerkt, dass Träume oft Themen zum Inhalt haben, die einem auch im bewussten Teil seiner Persönlichkeit beschäftigen.

Ich nehme die Kameras in der letzten Zeit nur sehr wenig in die Hand. Sicher, der Jahreswechsel war beruflich wirklich sehr anstrengend und im Januar habe ich eine Menge Überstunden machen müssen… aber es geht mir auch weniger um die Zeit (also die Anzahl der freien Stunden), sondern vielmehr um die Anspannung, die in hektischen Lebensphasen entsteht. In solchen Zeiten hat man eben keine Lust die Kamera in die Hand zu nehmen, selbst wenn man Zeit dafür hätte – weil man sich einfach über jede ruhige Minute freut. Ich habe dann einfach nicht den Kopf frei um mich kreativ zu beschäftigen, denn dazu brauche ich ein gewisses Maß an innerer Entspannung, das ich in solchen Zeiten eben nicht erreiche.

Viel schlimmer ist aber, dass ich mich sozusagen in einem kreativen Loch gefangen fühle. Selbst wenn ich Zeit hätte (der Stress im Job hat seit Anfang Februar nun deutlich nachgelassen), fehlt mir im Moment die Begeisterung und die Vorfreude auf die Ergebnisse, weil ich mich einfach nicht kreativ genug fühle. „Ist doch eh immer nur das Gleiche…“ denke ich mir manchmal und lass es dann einfach sein mir zu überlegen mit wem ich wohin gehen könnte um ein Shooting zu machen.

Google gibt zum Thema „kreative Blockade“ insgesamt 363.000 Suchtreffer aus (selbst testen), wie man kreative Blockaden lösen kann… ich hab mich mal durch zehn oder zwanzig dieser Treffer geklickt und empfand alle ziemlich sinnlos.

Es handelt sich meistens um Bildsammlungen anderer Fotografen, was ich als sehr unkreativen Versuch werte um zu Kreativität anzuregen. Was bringen mir Fotos von Schneekristallen und Riesenschildkröten, von Südseestränden und Tulpenvasen, wenn mich diese Themen einfach gar nicht interessieren? Auf die Idee, mal was anderes zu fotografieren, was so absolut gar nichts mit meinem bisherigen Tun gemeinsam hat, bin ich schon zu Beginn meiner Blockade von allein gekommen. Leider ist das Projekt etwas eingeschlafen, aber da ich die Idee lustig finde, möchte ich sie nicht aufgeben (Link).

Alle anderen Tipps wie „Geh doch einfach mal raus und fotografiere, was dir vor die Nase kommt!“ finde ich ebenfalls kaum nützlich. Das ist so, als wenn sich jemand beklagt, dass er nicht wisse, was er tun soll und der Tipp zur Umkehr wäre: „Dann tu was!“ … Aha, dann danke fürs Gespräch.

Kurz und gut: es ist schwer sich aus einer etwas antriebslosen Situation zu befreien und im Moment empfinde ich es einfach so, dass mir die Inspiration fehlt, mich innerhalb meines Hauptthemas in eine Richtung zu entwickeln, die mich wirklich weiterbringt. Hier sehe ich die Parallele zu meinem Traum. Im Traum waren es die Tücken der Technik, die mir einen Strich durch die Rechnung machten, obwohl theoretisch alles für ein tolles Bild vorhanden gewesen wäre. Im Moment sind es die Tücken meiner eigenen Kreativität, die mir einen Strich durch die Rechnung machen, obwohl doch sicher alles vorhanden wäre um schöne Bilder zu machen.

Dabei lege ich Wert darauf, nicht falsch verstanden zu werden: Mir gefallen meine Bilder, sonst würde ich sie nicht zeigen!

Aber ich möchte darin etwas ändern, etwas darin weiterentwickeln, einen Fortschritt darin sehen…

Hierzu ein Beispiel:

Model: Christina / SW Fotoshooting Hamm / Foto: Allsvartur.de

Model: Christina / SW Fotoshooting Hamm / Foto: Allsvartur.de

Das Foto mit Christina ist toll, es gefällt mir! Es stammt von dem einzigen offiziellen Vertrags-Shooting, das ich in den letzten vier Wochen überhaupt gemacht habe. Ich habe aber nicht öffentlich nach einem Model dafür gesucht, sondern ich habe (weil ich mir einfach nicht so sicher war, ob das alles gut läuft und die Ergebnisse auch für mich zufriedenstellend werden) ein Model aus dem kleinen Kreis meiner Models gefragt, mit denen ich mich seelisch enger verbunden fühle.

Die liebe Christina hat sich netterweise für den „Versuch“ bereitgestellt, wie sich momentan wieder ein Shooting für mich anfühlt und so haben wir am vergangenen Sonntag mal kurz für zwei Stunden zusammen geshootet, wobei ich mich bewusst auf S/W-Fotografie beschränken wollte.

Ich mag das Bild. Doch wenn ich es betrachte, kommt mir sofort der Gedanke: „Habe ich nicht bereits vor einiger Zeit schon ein ähnliches Foto gemacht, das ziemlich genau diesem Bild entspricht?

Model: Johanna Victoria / Herbst Fotoshooting Hamm / Foto: Allsvartur.de

Model: Johanna Victoria / Herbst Fotoshooting Hamm / Foto: Allsvartur.de

Das Foto mit Johanna Victoria (entstanden vor einigen Wochen) erinnert mich jedenfalls sehr daran – auch wenn die Location eine völlig andere war … und schon wieder habe ich den Eindruck, dass ich mich im Kreis drehe und einfach kein Fortschritt da ist.

Ich möchte eben nichts anderes fotografieren als weibliche Models einzeln vor der Kamera. Das ist mein Thema. Ebenso gefällt mir im Moment einfach die S/W-Fotografie so sehr, weil ich diese Optik liebe. Ich möchte nicht das Motiv und das Thema wechseln, ich möchte mich innerhalb dieser Dinge verbessern, darin wachsen… und ich fühle im Moment einfach nur Stillstand und das empfinde ich als sehr belastend.

Da halfen bisher alle Suchergebnisse bei Google nichts um dies zu ändern.

Ein nicht-offizielles Indoor-Fotoshooting mit einem anderen Model und einem völlig anderen Thema habe ich gemacht. Das waren mal wieder andere Bilder, doch leider darf ich diese Fotos (die ich toll finde) nicht veröffentlichen. Das wäre wenigstens mal ein ganz kleiner Lichtblick gewesen, den ich aber leider nicht zeigen darf.

Ich weiß jedenfalls noch nicht so recht, wohin die Reise gehen soll, welches das vielversprechendste Fortbewegungsmittel sein wird um mich auf dieser Reise möglichst weit zu bringen. Ich mache mir im Moment Gedanken über mögliche Methoden meine eigene Kreativ-Maschine wieder in Gang zu bekommen …

Zum Beispiel könnte ich mir mal alles aufschreiben, was ich schon fotografisch umgesetzt habe und diese Sachen sind beim nächsten Shooting dann absolut verboten und die Liste wird vor jedem geplanten Einstellung einmal kurz von mir geprüft.

Ich surfe viel auf Fotoportalen wie Instagram oder Pinterest (wo ich natürlich ebenfalls vertreten bin), doch ziehe ich leider quasi gar kein kreatives Potential daraus, wenn ich mir die Fotos anderer Fotografen anschaue.

Allein einfach nur die Kamera ruhen zu lassen, in der Hoffnung, dass der kreative Hunger sich dann schon wieder von selbst meldet, scheint nicht viel gebracht zu haben.

Zum Glück hat sich zumindest der Umbau der Homepage in ein inhaltlich drastisch reduziertes Format bewährt. Die Anzahl der neuen Modelbewerbungen in diesem Jahr bewegt sich noch im einstelligen Bereich (früher hatte ich dreistellige Zahlen in einem Monat). Das nimmt schon viel Druck aus der ganzen Sache (ich berichtete hier davon „Was bei Allsvartur bisher geschah„). Hier ist Ruhe (also weniger Bewerbungen) wirklich der absolut richtige Weg.

Was ich mit dem kreativen „Loch“ mache, in dem zu stecken ich selbst das Gefühl habe, ist indes noch völlig unklar. Ich bin noch auf der Suche und für Tipps und Anregungen immer dankbar. Gleiches gilt natürlich auch, wenn ihr (Models) ganz besondere Shooting-Ideen habt, die ihr gerne umsetzen wollt – sofern es sich um realistische Szenarien handelt, die wir auch angehen können.

Ich selbst beschäftige mich gedanklich jeden Tag mit dem Thema und werde in der nächsten Zeit sicher noch ein paar „Versuche“ wagen, denn da bin ich mir ziemlich sicher: ohne irgendwas auch praktisch zu tun und zu versuchen wird sich sicher gar nicht lösen lassen.

Ich wünsch euch ein tolles Wochenende!

Euer
Oliver von Allsvartur.de