Turnschuhe statt Kamera

Wenn ich nur tief genug in meiner eigenen privaten Fotokiste krame, dann finde ich doch tatsächlich noch Fotos von mir selbst, die mich noch als drahtig-sportlichen Kerl mit richtigen Bauchmuskeln zeigen… aber zugegeben, das sind schon ziemlich alte Fotos aus einer Zeit, in der Digitalkameras bestenfalls in der Satelliten- und Raumfahrttechnik verwendet wurden, denn ich war damals nicht einmal halb so alt, wie ich es heute bin.

Heute sind die Bauchmuskeln gut getarnt unter einer wohlgenährten Schicht Hüftgold, was nicht nur dem Alter und der knapper gewordenen Freizeit geschuldet ist, sondern auch der Tatsache, dass ich vor Jahren situativ bedingt quasi von heute auf morgen mit jeglichem Sport aufgehört habe und inzwischen auch die Fotografie immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Gut möglich, dass es also sinnvoller gewesen wäre, wenn ich mir statt Digitialkameras lieber einige Paar vernünftige Turn- und Laufschuhe gekauft hätte. Zumindest mein Hausarzt würde jetzt heftig mit dem Kopf nicken. Meinem Blutdruck würde es sicher auch besser tun, insbesondere in Hinsicht auf die Situation zur Zeit.

Dennoch, es bleibt dabei: ich verwende lieber meine Kameras anstatt Turnschuhe.

Vielleicht ist dies aber noch nicht jeder Bewerberin, die sich mit viel Begeisterung für ein Shooting vorstellt, so richtig klar. Speziell in diesen Tagen habe ich wieder schwerpunktmäßig mehr Termine vereinbart, da ich hierfür die Zeit habe… doch leider häufen sich dabei auch immer ganz signifikant die Zahl der Shootings, die unnötigerweise ausfallen.

„Unnötigerweise“ fallen aus Gründen aus, die eigentlich planbar gewesen wären, schon lange vorhersehbar waren oder die durch unüberlegte/spontane Aktionen des Models zunichte gemacht werden. „Unnötigerweise“ auch aus all den Gründen, die so fadenscheinig sind, dass ich nicht wegen der Absage sauer bin, sondern darüber, für wie leichtgläubig man mich hält… (zum Beispiel wenn ein Model am Tag vor dem Shooting laut Facebook-Status Party macht, am Tag des Shootings dann plötzlich nicht kann und am nächsten Tag laut Facebook-Status schon wieder mit Freunden auf Tour ist) und wenn sich dann sowas häuft, ist das ärgerlich.

Es scheint, als würden sich viele keine Gedanken darüber machen, dass man mit einem Termin auch Zeit im Leben des Fotografen blockiert. Der Fotograf plant für diese Zeit nämlich sonst nichts anderes, er kann ja schlecht zwei Models gleichzeitig einzeln shooten. Wenn das Model dann den Termin kurzfristig und unnötigerweise absagt oder ihn gar vergisst, dann ist das schon mit der Absage sinnlos verlorene Zeit für den Fotografen, denn so schnell findet man meist keinen Ersatz mehr.

Mir scheint, als wäre das vielen einfach nicht bewusst oder vielleicht auch völlig egal. Umso größer ist dann oft die Verwunderung, wenn ich dann (wenn sich das Model wieder meldet oder nach einem zweiten Termin fragt) kein Interesse mehr an einem Shooting habe. Würde ich meine Zeit nämlich hauptsächlich mit Models hinterherlaufen verbringen wollen, dann hätte ich mir Laufschuhe gekauft und keine Digitalkamera, die ich aber nun einmal habe, weil ich fotografieren will.

Obwohl es auch ganz faktische Gründe gibt, weshalb ich dann einen zweiten Termin nicht mehr anlaufen lasse (z.B. weil ich das Shooting-Thema bis dahin bereits mit einem anderen Model durchgezogen habe), liegt es aber meist schlicht und ergreifend daran, dass ich es nicht einsehe Absager-Models hinterher zu laufen, während andere Models warten weil ich ihnen aus Zeitgründen keinen Termin geben konnte (und in der Kürze der Zeit zwischen Absage und geplatzem Shooting auch keine der Wartenden mehr aktivieren kann).

Außerdem verlasse ich mich nur ungern auf die Sicherheit einer Zusage zu einem zweiten Termin, wenn bereits der erste Termin gekippt wurde oder es sich wieder einmal (wie gerade) um eine Häufung solcher Vorkommnisse handelt – dann ist mir nämlich auch irgendwann der Grund egal, denn alles hat so seine Grenzen – nicht nur meine freie Zeit.

Eine Topliste der unnötigsten oder fadenscheinigsten Begründungen will ich dabei gar nicht einmal führen, obwohl mir wirklich sehr danach wäre so manche Geschichte (bei der ich versucht bin meinen Kopf auf die Tischplatte fallen zu lassen) zur eindringlichen Verdeutlichung niederzuschreiben… aber ich will auch niemand persönlich adressieren, sondern einmal in aller Ausführlichkeit (und zur zukünftigen Verlinkung auf diesen Text) darlegen, wieso sich Newcomer-Models nicht mehr zu wundern brauchen, weshalb sich nach einer Absage das Thema „Shooting bei Allsvartur.de“ dann zukünftig erledigt hat.

Die Anzahl der Absagen meinerseits, die z.B. durch Terminverwechslungen, Privatleben, Beruf, Befindlichkeiten (…) begründet war, bewegt sich selbst nach Jahren noch in einer Gesamtzahl, für die man noch lange keine 5 Finger zum mitzählen benötigt… und ich muss als Fotograf nicht nur die Zeit fürs Shooting bedenken, sondern auch noch die (wesentlich längere Zeitdauer) für die Nachbearbeitung. Wenn ich das so zuverlässig zu halten schaffe, kann es doch nicht so schwer sein, finde ich.

Sich auf gegenseitige Termintreue und die Absprachen verlassen zu können ist einfach eine Grundvoraussetzung, die nicht nur für Shootings gilt. Sehr schlimm dass man darauf heutzutage schon so hinweisen muss…

Allsvartur

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