Was bleibt ist… Spaß?

Ja, warum – so frage ich mich manchmal – tu ich mir diese Arbeit überhaupt an? Oder etwas egoistischer formuliert: was hab ICH eigentlich davon? Und in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass es immer weniger Models gibt, die sich darüber überhaupt Gedanken machen.

Wollen wir mal kurz zusammenfassen:

  • Als Fotograf gibt man nicht gerade wenig Geld für seine Ausrüstung aus…
  • Man gibt Geld für alle möglichen Gelegenheiten sein Wissen zu erweitern aus (Fachliteratur, Workshops usw)…
  • Der Fotograf investiert viel Zeit in die Aquise von Models, Besprechungen, Fahrten zu Locations usw…
  • und er opfert ebenfalls viel Zeit für das eigentliche Shooting, inkl. dessen Vorbereitung…
  • sowie nach einem Shooting weitere Stunden in die Auswahl der Bilder und deren Bearbeitung…

…. und am Ende sind dann schöne Bilder entstanden.

Doch diese Bilder zeigen nicht mich, sondern die Personen, die ich fotografiere… und somit können mir diese Fotos kaum persönlich als Erinnerung dienen, wenn ich mal alt und runzlig bin.

Was bleibt also bei dieser Beschäftigung für den Fotografen übrig, wenn er obendrein kein Geld für das Shooting nimmt?

Für mich ist die Antwort klar: der Spaß beim Shooten.

Was aber ist, wenn einem dieser Spaß genommen wird… durch Models, denen es an der notwendigen Zuverlässigkeit fehlt? Dann ist die Zeit beim Shooting kaum mehr unterhaltsam, weil man den ganzen Frust mitnimmt… und wofür macht man dann das alles letztlich noch, wenn nicht einmal das Shooting mehr Spaß macht? Genau: für gar nichts. Und das kann es einfach nicht sein.

Nehmen wir heute mal als Beispiel: Da muss ich mir doch tatsächlich anhören, dass ich (Zitat) „dauernd rumzicken“ würde, nur weil ich seit Donnerstag/Freitag vergeblich auf die Antwort eines Models zum Termin für kommenden Donnerstag warte…. während ich noch ca. 5-6 Models (die genau diesen Termin auch gerne hätten und von denen ich schon weiß, dass sie Zeit haben) auf Warteschleife liegen habe. Dabei hat das Model letzte Woche selbst geschrieben, sie würde sich Donnerstag/Freitag melden…. und frage ich heute (am Sonntag und mit dem Hinweis das ich seit 2 Tagen warte) nach, ist das dann „rumzicken“.

Ebenso verhält es sich angeblich, wenn man über drei Monate nach dem Shooting noch immer keine Bilderauswahl von dem Model erhalten hat und schon mehrere Erinnerungen geschrieben hat…. gleichzeitig wollte dieses Model aber immer möglichst baldige Termine, bzw. schon wieder ein Shooting noch bevor sie Fotos vom vorherigen Shooting freigegeben hatte.

Ja, genau… wer etwas nachdenkt kommt zu dem gleichen Schluss wie ich: das passt etwas ganz gewaltig nicht zusammen. 🙂

Von anderen Models, die sich gleich mehrfach hintereinander den Luxus erlauben von ihnen selbst vorgeschlagene und bereits zugesagte Termine platzen zu lassen (zur Not auch einfach mal nur wenige Stunden vor dem Termin), will ich gar nicht erst schreiben… das ist ja teilweise schon „normal“ in der People-Fotografie.

Vor einigen Wochen, als es mir dann doch zuviel wurde, habe ich begonnen keine Kompromisse mehr zu machen, wenn es um die Zuverlässigkeit der Models geht. Das ist nicht nur angemessener, weil man bisher auch von mir stets Zuverlässigkeit erwarten konnte, sondern es ist auch fairer all den Models gegenüber, die bisher noch keinen Termin erhalten konnten, weil der von unzuverlässigen Models nutzlos blockiert wurde.

Wenn man dann innerhalb einer Woche kurzfristige Absagen von gleich 3-4 Models bekommt (was mehr als nur einmal vorkam)… und davon manche erst auf meine Nachfrage hin (ob der Termin morgen noch steht)… dann sind einem irgendwann die immer wieder neuen Entschuldigungen und Beteuerungen egal.

Da kann man als Fotograf eigentlich nur dankbar sein, dass es einem manche Models (wie heute) recht einfach machen, sich mit gutem Gewissen von einer Zusammenarbeit zu verabschieden, weil es einfach dermaßen offensichtlich wird, dass keinerlei Verlass ist und die Wertschätzung sowohl für die Zeit/Planung als auch für die Arbeit des Fotografen schlicht nicht vorhanden ist.

Alles, was einem den Spaß am Shooting nimmt, ist für einen TFP-Fotografen vollkommen nutzlos verschwendete Lebenszeit.

Dazu gehören leider auch Termine, bei denen offensichtlich wird, dass das Vertrauen zum Fotografen fehlt (trotz guter Beurteilungen)…. wie ich diese Woche einen Termin hatte. Models, die mit zu vielen Einschränkungen shooten wollen oder die ihr Misstrauen einfach nicht ablegen können (was sich dann natürlich auch in Mimik und Pose beim Shooting fortsetzt), sind ebenfalls nicht unbedingt Garanten für ein unterhaltsames Shooting.

Aber da kann ich niemand einen Vorwurf für das eine oder andere Erlebnis machen, sondern muss mich selbst an der Nase packen und mich eben auch daran halten, dass (wenn mir ein Vorgespräch schon zu seltsam vorkommt) ich dann auch ein Shooting eben kurzerhand nicht mehr durchführe.

Da werde ich noch etwas an mir arbeiten müssen… leisten kann ich mir das allemal, denn noch immer ist die konkrete Warteliste für Termine lang und die Anfragen, zu denen es noch gar keine Vorbesprechung gegeben hat, sind noch viel zahlreicher. Es besteht also eigentlich wirklich kein Grund sich die Zeit mit den falschen Kandidatinnen kaputt zu machen.

Alles, was ich von all dem habe, ist Spaß… und deshalb werde ich zukünftig nur noch die Personen und Termine behandeln, bei denen das auch gewährleistet ist. Und wer mir dafür böse sein will, der soll selbst Fotograf werden und seine eigenen Erfahrungen machen.

P.S: Damit keine Missverständnisse aufkommen. Das Model im Bild zum Beitrag gehört zu den echt lieben Models, mit denen die Arbeit wirklich Spaß macht!

Allsvartur

People – Fotograf mit kostenlosen Shootings in Hamm